29.05.2016

Chorfest bewegte Hunderttausende

Am 29. Mai ist in Stuttgart mit dem Deutschen Chorfest eines der weltweit größten Musikfestivals zu Ende gegangen. Über 400 Ensembles mit 15.000 Sängerinnen und Sängern begeisterten vier Tage lang Stuttgarter und Gäste der Stadt für Vokalmusik aller Stilrichtungen.

"Wir haben bereits bei den Vorbereitungen erlebt, dass wir hier überall mit offenen Armen empfangen werden", sagte der Präsident des Deutschen Chorverbands (DCV), Henning Scherf. "Dass die Stuttgarter, ob alt oder jung, jedoch so enthusiastisch reagiert und bei den verschiedenen Mitsingaktionen so zahlreich eingestimmt haben, freut uns unendlich. Das belegt, dass in den letzten Jahren eine neue Begeisterung für Chormusik und das gemeinsame Singen entstanden ist."

Oberbürgermeister Fritz Kuhn dankte dem Chorverband und dessen Präsidenten Henning Scherf, dass sie Stuttgart für das Deutsche Chorfest ausgesucht haben. Er sagte: "Das Chorfest war eine richtige Bereicherung für Stuttgart. Die Stadt hat das Motto 'Stuttgart ist ganz Chor' erleben dürfen und auch ausgefüllt. Man hat die Musik fast bis hinauf in die Halbhöhe gehört." Beim Chorsingen komme es auf die Stimme des Einzelnen an, das musikalische Ergebnis entstehe aber durch die Gemeinschaft. Kuhn: "Es war schön zu sehen, wie die Menschen aufeinander reagiert haben. Die Stimmung war unglaublich friedlich." Er betonte, Stuttgart sei eine atmende, offene und internationale Stadt, deswegen habe das Chorfest so gut zur Landeshauptstadt gepasst.

Dabei war der Veranstalter begeistert über die große Resonanz – bei den über 700 Konzerten in der ganzen Stadt, ob open air, in klassischen Konzertsälen, Kirchen oder Sozialen Einrichtungen, waren nach Schätzung des Deutschen Chorverbands rund 100.000 Besucher täglich unterwegs.

Anziehungspunkt war insbesondere die Open-Air-Bühne am Schlossplatz. Am Eröffnungsabend stand dort mit den mehrfachen Grammy-Gewinnern The Swingles ein Weltklasse-Ensemble zusammen mit den jungen Musikern des Bundesjazzorchesters auf der Bühne. Auch das gemeinsame Singen war an dieser Stelle an allen vier Tagen zentral – ob beim Ich-kann-nicht-singen-Chor, dem Carusos-Mitsingkonzert für Kinder oder dem größten Beatles-Chor Deutschlands. Im Vorfeld dazu hatten SWR und DCV den größten Onlinechor aller Zeiten initiiert, sodass am 28. Mai rund 15.000 Menschen live und virtuell John Lennons "Imagine" sangen.

Einen erfolgreichen Abschluss fand auch der Wettbewerb, der in elf unterschiedlichen Kategorien ausgetragen wurde. Über 100 Ensembles hatten sich hier zu in diesem Jahr angemeldet – noch deutlich mehr als bei den vergangenen Chorfesten in Frankfurt 2012 und Bremen 2008. Die ersten Preise gingen in den jeweiligen Kategorien und Leistungsstufen an das Bolongaro-Sextett, Cantaloop, Cuori-Ensemble, Frauenensemble Encantada, Gretchens Antwort, 'HXOS Chor Berlin, Jugend-Konzertchor der Chorakademie Dortmund, Junge Kantorei Bad Soden (in zwei Kategorien), Junger Kammerchor Rhein-Neckar, Kammerchor der Musikhochschule Mannheim, La Fenice – Kammerchor der Jugendmusikschule Württembergisches Allgäu, les favoris, den Südwestpfälzer Kinderchor Münchweiler, den Unipopchor Osnabrück, VokalKlang Bensheim und Vox Bona. Den Sonderpreis für die beste Aufführung eines Volksliedes erhalten der Otto-Schott-Chor und der Junge Kammerchor Rhein-Neckar, die sich einen Geldpreis der Landeshauptstadt Stuttgart in Höhe von 500 Euro teilen. Einen professionellen Produktionstag im SWR-Studio, Sonderpreis des SWR Vokalensembles, erringt der Kammerchor der Musikhochschule Mannheim. Der Titel "Bester Chor aller Kategorien" geht an den Südwestpfälzer Kinderchor Münchweiler. Er gewinnt eine Aufnahme mit Deutschlandradio Kultur.

Das Herzstück des Festivals, die rund 80 Festkonzerte, zogen das Publikum besonders an, darunter vor allem der Nachtklang. Am 27. und 28. Mai präsentierten sich an den Abenden in jeweils 30 Konzerten die Spitzenensembles der Szene. "Auch dies ist Ausdruck für den Wandel, im dem sich die Chorszene momentan befindet", so Moritz Puschke, Künstlerischer Leiter des Deutschen Chorfests und Geschäftsführer des Deutschen Chorverbands. "Die Lust auf Qualität sowie Neugier auf neue Formen und Formate waren in Stuttgart bei einer Vielzahl der Programme sichtbar. Ich bin gespannt, was in dieser Hinsicht in vier Jahren bei unserem nächsten Chorfest passiert."

Das Deutsche Chorfest 2016 wurde großzügig gefördert von der Stadt Stuttgart, der Baden-Württemberg Stiftung, der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie der Familie von Holtzbrinck. Partner und Sponsoren waren der Deutsche Sparkassen- und Giroverband, ARAG Versicherungen sowie Minol Messtechnik W. Lehmann GmbH & Co. KG.